Herr Recher, wie sind Sie darauf gekommen, das iPhone Berge erkennen zu lassen?Ich befand mich zusammen mit einigen ausländischen Freunden auf einer Wanderung. Irgendwann kam die zu erwartende Frage: “Wie heisst dieser Berg dort?”. Ich wusste es nicht und fragte mich sofort: “Wie könnte mir die heutige Technologie bei der Beantwortung helfen?” Ich besitze ein iPhone, welches über einen GPS-Empfänger, eine Kamera und einen Kompass verfügt. Hätte ich Zugriff auf die richtigen Daten, würde sich doch eine Lösung entwickeln lassen, die solche Fragen verlässlich und durch Zusatzinformationen aufgewertet beantwortet.
Ein Unterfangen, das ja einige Stolpersteine wie Lizenzen, Urheberrechte etc. umfasste. Das Requirement Engineering zu Beginn des Projekts zeigte, dass die Datengrundlage über die Machbarkeit entscheidet. Es war mir wichtig, das Bundesamt für Kartografie swisstopo als Partner gewinnen zu können, denn swisstopo verfügt im Vergleich mit ausländischen Stellen oder internationalen Firmen über sehr umfangreiche und Qualitativ hochwertige Daten. Der erreichte Vertrag verschaffte dem Projekt offiziellen Zugriff auf die Namensdatenbank und dem gesamten Höhenmodell der Schweiz. Die Zusammenarbeit mit swisstopo und der Firma Andreas Garzotto GmbH, welche das Bundes-App Swiss Map Mobile entwickelt, funktionierte sehr gut und war über ein halbes Jahr lang sehr intensiv.
Der erste Prototyp war ein Erfolg, denn er funktionierte und lieferte bereits gute Ergebnisse. Direkt im angezeigten Kamerabild wurden umliegende Berge, Dörfer und Seen beschriftet. Zum ersten Mal konnte damit auf dem iPhone auch berechnet werden, ob umliegende Punkte sichtbar sind oder durch die Topologie verdeckt werden.
Ihre Arbeit hat offenbar die Aufmerksamkeit vieler auf Sie gelenkt? Das innovative Thema ermöglichte mir die Teilnahme bei «Jugend forscht». Dabei geht es um die wissenschaftliche Forschung rund um die Anwendung. Im Wesentlichen wurde der erste Prototyp um Funktionen wie Zoom und variabler Sichtweite erweitert, die bestehenden Algorithmen in Simulationen getestet und optimiert, sowie die gesamte Anwendung in einer Benutzerevaluation überprüft und Verbesserungsmöglichkeiten diskutiert.
Wie steht es um Ihren beruflichen Werdegang? Damit bin ich bis jetzt sehr zufrieden. Nicht wegen der Erfolge, die ich bisher erreicht habe, sondern weil ich mich auf jeden neuen Tag im Berufsleben freue. Es ist für mich sehr wichtig eine Arbeitsstelle zu haben, die mich persönlich motiviert und bei der ich solide Produkte entwickeln kann. Ich finde es sehr schön, wenn ein Produkt, das ich zusammen mit motivierten Arbeitskollegen entwickelt habe, jemandem ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Das ist meine grösste Motivation.