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Wettbewerbe als Sprungbrett in die IT

Wie junge Talente und Quereinsteiger durch Wettbewerbe den Weg in die IT finden können, was für sie dabei herausspringt und wie die Branche von der Wettbewerbs- Szene ­profitieren kann.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2025/04

     

In der sich stetig wandelnden Welt der IT bieten Wettbewerbe eine herausragende Plattform für Lernende, Fachkräfte und Quereinsteiger, um ihre Fähigkeiten zu testen, zu erweitern und sich zu vernetzen. Sie fördern nicht nur den Wissenstransfer, sondern ermöglichen es den Teilnehmenden auch, sich in einem hochkompetitiven Umfeld zu profilieren und von potenziellen Arbeitgebern wahrgenommen zu werden.

Wettbewerbe erhöhen die Einstiegschancen

definiert. Viele wählen eine Informatik-Lehre oder ein Studium, doch in einer digital vernetzten Welt, in der Wissen jederzeit verfügbar ist, gibt es zahlreiche alternative Möglichkeiten, Fachkenntnisse zu erwerben. Besonders in Bereichen wie Cybersecurity oder Softwareentwicklung kann man sich durch autodidaktisches Lernen ein solides Fundament aufbauen.

Allerdings fehlt vielen Selbstlernern die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten zu validieren und gezielt weiterzuentwickeln. Wettbewerbe können hier eine entscheidende Rolle spielen: Sie bieten nicht nur eine praktische Anwendungsmöglichkeit für theoretisches Wissen, sondern liefern auch direktes Feedback, das in klassischen Lernumgebungen oft fehlt. Zwar ersetzen Wettbewerbe kein Mentoring, doch sie bieten Orientierung, Struktur und ein direktes Leistungsvergleichsmodell.

Swiss Hacking Challenge: Gateway in die Cybersecurity

Ein Beispiel für einen solchen Wett­bewerb ist die Swiss-Hacking-Challenge (SHC). Dieser jährlich stattfindende Wettbewerb richtet sich an junge Talente und ermöglicht, sich mit Hunderten anderen Teilnehmenden zu messen. Gerade in der Cybersecurity ist es wichtig, Neugierige früh abzuholen und ihnen eine legale sowie praxisnahe Umgebung zu bieten, in der sie ihre Fähigkeiten testen können. Obwohl sich der Wettbewerb primär an junge Teilnehmende richtet, steht er weltweit allen Interessierten offen.


Die Besten der Besten erhalten anschliessend die Möglichkeit an weiteren nationalen sowie auch internationalen Wettbewerben anzutreten. Wie etwa an der European Cybersecurity Challenge (ECSC), wo sich das Swiss National Hacking Team «Team M0unt41n» mit rund 35 anderen Nationalteams misst.

Marc Bollhalder

Marc Bollhalder, Penetration Tester bei Infoguard: «Als 18-Jähriger habe ich mich ins Schweizer Team qualifiziert und an der Europameisterschaft teilnehmen dürfen. So konnte ich schon früh erfahren, dass diese Cybersecurity-Fähigkeiten sehr gesucht sind und dass man dieses Hobby zum Beruf machen kann! Zudem lernte ich so sehr viele talentierte, begeisterte junge Leute kennen, in der Schweiz, wie auch in ganz Europa – mit welchen ich bis heute Ideen austauschen und gemeinsam Probleme lösen kann.»

Wie funktionieren solche Wettbewerbe?

Das Setting ist bei den meisten Wettbewerben sehr ähnlich: Es gibt Aufgaben im Bereich Kryptographie, Binary Exploitation, Reverse Engineering oder Web Security. Meist bauen die Challenges auf Online-Services mit eingebauten Schwachstellen auf. Die Teilnehmenden müssen das System erst analysieren, dann die Schwachstelle aufspüren und anschliessend ausnutzen, um Zugriff auf einen geschützten Administratorenbereich oder das Betriebssystem zu erlangen. Dies ist in der Cybersecurity-Community als Jeopardy CTF (Capture the Flag)
bekannt.

Neben dem Jeopardy CTF gibt es auch die Disziplin Attack/Defense CTF, welche Angriff und Verteidigung vereint. Mehrere Teams erhalten eine identische Infrastruktur und müssen ihre Systeme gegen Angriffe absichern, während sie gleichzeitig Schwachstellen in den Systemen der Konkurrenz ausnutzen. Hier ist strategisches Vorgehen gefragt, da nicht nur der Angriff, sondern auch die Verfügbarkeit und die Verteidigung entscheidend sind. Dabei ist es wichtig, dass die eigenen Services stets verfügbar sind, andernfalls gibt es Punktabzug.


Es geht jedoch nicht immer ums Gewinnen, Ruhm und Ehre. Manchmal nimmt man auch einfach zum Spass an den Wettbewerben teil. Beispielsweise an der Insomni’hack in Lausanne. Teilnehmende aus verschiedensten Regionen der Schweiz (zum Teil auch aus dem Ausland) treffen sich hier und hacken sich durch die ganze Nacht hindurch. Dabei geht es primär um den Spass und das Vernetzen innerhalb der Community.

ICTskills: Mehr als nur ein Wettbewerb

Neben der Swiss Hacking Challenge spielt auch der ICTskills Wettbewerb eine bedeutende Rolle in der Szene. Dieser Wettbewerb deckt ein breites Spektrum an IT-Disziplinen ab, darunter IT Software Solutions for Business, Cloud Computing, Web Technologies, Cybersecurity und Mediamatics.

Dieser Wettbewerb richtet sich primär an Lernende, bietet aber auch jüngeren Fachkräften die Möglichkeit, ihr Können unter Beweis zu stellen. Die Teilnahme an den ICTskills ermöglicht es den Teilnehmenden, sich von der Masse abzuheben und ihre Karrierechancen zu verbessern. Die erfolgreichsten Teilnehmenden erhalten die Möglichkeit, auf der ganz grossen Bühne zu stehen und an den Weltmeisterschaften – den WorldSkills – teilzunehmen.


Für die Durchführung des ICTskills-Wettbewerbs werden Experten aus der Industrie engagiert, was für eine praxisnahe Wettbewerbsumgebung sorgt. Die Teilnehmenden müssen innerhalb eines Tages verschiedene Aufgaben lösen, welche anschliessend von den Experten bewertet werden. Die Aufgaben für die Teilnehmenden beinhalten beispielsweise das Programmieren von Webseiten oder das Konfigurieren von Cloud-Infrastruktur in AWS.

Die Besten dürfen sich auch da an einem Folgewettbewerb international messen. Gemeint ist damit die WorldSkills Competition, welche Teilnehmenden von rund 50 Ländern aus etwa 70 verschiedenen Berufen in einem hoch kompetitiven Umfeld testet.

Matthias Bauhofer

Matthias Bauhofer, Leiter berufliche Grundbildung und Berufsmeisterschaften bei ICT-Berufsbildung Schweiz: «Die Berufsmeisterschaft zeigt neben den Top-Leistungen der besten Talente auch die hohe Qualität in unseren ICT-Grundbildungen. Die Krönung sind die hervorragenden Resultate an Weltmeisterschaften, welche auch einen hohen Stellenwert für die Betriebe und eine grosse Relevanz für die gesamte Schweizer Wirtschaft darstellen. Damit repräsentieren die Besten der Besten die Kompetenzen unserer zukünftigen Fachkräfte, womit wir seit mehreren Jahren in den Top 5 der Welt stehen.»

Wettbewerbe in anderen IT- Bereichen

Neben den genannten Wettbewerben gibt es zahlreiche weitere Veranstaltungen, die verschiedene IT-Bereiche abdecken:

HackZurich: Als einer der grössten Hackathons Europas zieht HackZurich jährlich Entwickler und Innovatoren aus der ganzen Welt an. Teilnehmende arbeiten in Teams, um innerhalb von 40 Stunden innovative Prototypen zu entwickeln.

Meta Hacker Cup: Der Hacker Cup von Meta (ehem. Facebook) ist ein jährlicher Programmierwettbewerb, der Programmierer aus aller Welt einlädt, ihre Fähigkeiten zur Problemlösung und algorithmischen Programmierung unter Beweis zu stellen.

Gohack Competition: Gohack ist ein jährlich stattfindender Cybersecurity-Wettbewerb, bei dem ethische Hacker in einer Live-Bug-Bounty-Challenge Sicherheitslücken in realen Systemen aufdecken. Ergänzt wird der Event durch Expertenvorträge, Workshops und Networking-Möglichkeiten.

Das sind jedoch nicht die einzigen weiteren Wettbewerbe, sondern nur einige Beispiele. Für jede Zielgruppe gibt es einen passenden Wettbewerb, bei dem grossartige Preise gewonnen oder einfach neue Erfahrungen gewonnen werden können.

Der Mehrwert von IT-Wettbewerben

Die Teilnahme an Wettbewerben bietet zahlreiche Vorteile. Für viele ist es eine Gelegenheit, theoretisches Wissen in der Praxis anzuwenden, sich mit anderen Fachleuten zu messen und wertvolle Kontakte zu knüpfen oder einfach nur Spass zu haben. Wirklich verlieren kann man mit einer Teilnahme nicht. Mit genügend Vorbereitung können Teilnehmende die Gewinnchancen erhöhen und damit ihren Lebenslauf aufwerten. Arbeitgeber suchen gezielt nach Bewerbenden mit nachweisbaren Erfolgen in solchen Formaten, da sie zeigen, dass jemand über die notwendige Leidenschaft, Ausdauer und Problemlösungskompetenz verfügt, um in der Branche erfolgreich zu sein.


Das Beste daran: Viele dieser Wettbewerbe setzen keine formale Ausbildung voraus. Jede und jeder mit Interesse und Engagement kann teilnehmen, lernen und sich einen Namen in der Community machen. Der Einstieg in die IT war noch nie so offen wie heute.

Bedeutung für Unternehmen, Relevanz für die Industrie

IT-Wettbewerbe sind längst nicht mehr nur eine Spielwiese, sie sind auch ein wertvolles Rekrutierungsinstrument für Unternehmen. Firmen aus der IT-Branche beobachten zunehmend die Leistungen von Teilnehmenden an solchen Wettbewerben, um talentierte Nachwuchskräfte frühzeitig zu identifizieren.

Besonders in Bereichen wie Cybersecurity, Softwareentwicklung oder Cloud Computing sind klassische Bewerbungsprozesse oft nicht ausreichend, um technisches Können realistisch zu bewerten. Wettbewerbe hingegen bieten eine praktische Demonstration der Fähigkeiten unter realen Bedingungen. Wer in einem Capture-the-Flag-Wettbewerb komplexe Schwachstellen analysieren oder im Rahmen eines Hackathons innovative Softwarelösungen entwickeln kann, beweist nicht nur Fachwissen, sondern auch Kreativität und Problemlösungskompetenz.


Viele Unternehmen unterstützen IT-­Wettbewerbe aktiv, sei es durch Sponsoring, Bereitstellung von Infrastruktur oder direkte Jobangebote an herausragende Teilnehmende. Für Talente bieten diese Wettbewerbe daher nicht nur eine Lernplattform, sondern oft auch eine direkte Eintrittskarte in die Berufswelt.

Der Autor

Manuel Bürge engagiert sich seit Jahren in der Nachwuchsförderung im Bereich Cybersecurity. Mit seiner langjährigen Erfahrung in der Organisation und Teilnahme an internationalen Wettbewerben hat er bereits mehrmals erleben dürfen, wie junge Talente erfolgreich den Weg in die Cybersecurity gefunden haben.


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