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Karriere in der ICT: Drei Menschen, drei Wege

Viele Wege führen nach Rom und ein Problem hat meistens auch mehrere Lösungswege. Ähnlich verhält es sich mit der individuellen Karriere in der ICT. Dank des Schweizer Bildungssystems gibt es hierzulande mehrere Möglichkeiten, «seinen Weg» zu gehen.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2025/04

     

Die Informatik ist der wohl dynamischste Sektor unserer Zeit. Der Fachkräftemangel in der ICT ist seit Jahrzehnten ein Thema, und gleichzeitig eröffnen sich für IT-Fachpersonen zahlreiche attraktive Karriereperspektiven. Doch wie gestaltet man seine Laufbahn in dieser schnelllebigen Branche? Welche Weiterbildungen sind sinnvoll? Und wie gelingt ein Quereinstieg? Anhand von drei anonymisierten Lebensläufen zeigen wir nachfolgend praktisch orientiert auf, wie vielfältig die Wege in der ICT sein können.
ICT Career Advisory von SwissICT
Mit dem ICT Career Advisory Tool kann geprüft werden, in welchen Bereichen der Informatik am meisten Erfahrung vorhanden ist, wo Wissenslücken bestehen und welche Möglichkeiten der Weiterentwicklung auf den bisherigen Tätigkeiten möglich sind. Der Standardbericht gibt bereits Ideen zur Karriere­planung. Sinnvollerweise werden die persönlichen Vorstellungen zudem mit erfahrenen Personen aus dem eigenen ICT-Umfeld oder Spezialisten für ICT-Karriereplanung besprochen, bevor Zeit und Geld in Weiterbildungen investiert wird. Das Tool für die ICT-Laufbahnberatung findet sich unter: www.swissict.ch/career-advisory

Georg: Vom Software-Engineer zum CTO

Georgs Weg begann klassisch: Nach seinem Masterabschluss in Informatik und einer anschliessenden Promotion stieg er als Software-Engineer in ein Unternehmen ein. Schnell zeigte sich, dass er neben seinen technischen Fähigkeiten auch ausgeprägte Soft Skills mitbrachte. Das Unternehmen erkannte sein Potenzial, und so wurde er bald Teamleiter, übernahm später Verantwortung im Personalwesen und stieg schliesslich zum CTO auf.

Sein Werdegang verdeutlicht: Neben technischem Know-how sind für eine langfristige Karriere in der ICT auch kommunikative und organisatorische Fähigkeiten entscheidend. Wer sich kontinuierlich weiterbildet – sei es durch Zertifikate, Seminare oder praxisorientierte Schulungen – bleibt nicht nur fachlich auf dem neuesten Stand, sondern erweitert auch seine Führungskompetenzen.


Die Informatik entwickelt sich rasant weiter. Neue Methoden und Technologien führen zu Veränderungen in Unternehmen, etwa durch den Einsatz agiler Arbeitsmethoden oder innovative Personalführungsstrategien. Die Fähigkeit, sich diesen Neuerungen anzupassen und sie aktiv mitzugestalten, ist für IT-Fachpersonen essenziell. Besonders gefragt sind dabei Kenntnisse in Cloud-Technologien, Dev­Ops, IT-Sicherheit oder Machine Learning.

Neben klassischen Karrierepfaden in der Software-Entwicklung gibt es auch Spezialisierungen, die besonders gefragt sind, etwa in den Bereichen IT-Sicherheit, Data Science oder Künstliche Intelligenz. Generell sind Fachkräfte in hochspezialisierten Feldern oft stark gesucht. So gewinnen auch Bereiche wie ICT-Architektur und DevOps an Bedeutung, da Unternehmen vermehrt Wert auf Effektivität, Effizienz und Automatisierung legen. Wer sich mit neuen Technologien auseinandersetzt und praxisnahe Weiterbildungsmöglichkeiten nutzt, kann seine Karrierechancen erheblich verbessern. Dabei spielen auch aktuelle Produktzertifizierungen wie von AWS, Google Cloud oder Microsoft Azure eine wichtige Rolle.

Peter: Der Weg eines Pioniers

Als Peter vor rund 40 Jahren seine Karriere begann, gab es noch keine Informatik-­Lehren oder Studiengänge, wie wir sie heute kennen. Nach der Handelsschule wurde er IT-Koordinator, wechselte dann als Profisportler in ein völlig anderes Umfeld, kehrte später zur Informatik zurück und spezialisierte sich als Datenbank­programmierer. Er entwickelte sich weiter, absolvierte eine Weiterbildung zum Wirtschaftsinformatiker und übernahm schliesslich leitende Positionen in der IT-Branche. Heute ist er als Coach für arbeitssuchende Informatikerinnen und Informatiker tätig und unterrichtet angehende Wirtschaftsinformatiker.

Georgs Beispiel zeigt, dass ICT-Karrieren nicht immer geradlinig verlaufen müssen. Gerade ältere Fachkräfte haben oft einen breiten Erfahrungsschatz und bringen wertvolles Wissen aus verschiedenen Disziplinen mit in eine neue Position. Wer sich flexibel zeigt und neue Technologien offen annimmt, kann auch später im Berufsleben noch neue Karriere­wege einschlagen.


Viele IT-Fachkräfte entwickeln sich im Laufe ihrer Karriere von einer rein technischen Position hin zu Aufgaben mit höherem Softskill-Anteil – etwa in der Unternehmensorganisation oder beratenden Positionen für digitale Transformationen. Gerade hier zeigt sich, dass auch Erfahrungswerte und interdisziplinäre Kompetenzen essenziell sind. Arbeitgeber schätzen es, wenn Fachkräfte nicht nur technisches Wissen, sondern auch ein Verständnis für betriebswirtschaftliche Prozesse mitbringen. Viele Unternehmen bieten mittlerweile interne Schulungen oder berufsbegleitende Weiterbildungen an, um Mitarbeitende optimal auf künftige Herausforderungen vorzubereiten.

Claudia: Quereinsteigerin in die ICT

Claudia hat Geografie studiert. Während ihrer Masterarbeit analysierte sie grosse Datenmengen und kam dabei mit verschiedenen Datenbanken und Programmiersprachen in Berührung. Ihr Interesse für Informatik wuchs – und so entschied sie sich für einen beruflichen Wechsel. Sie bewarb sich für ein Trainee-Programm, das Hochschulabsolventinnen und -absolventen ohne klassischen IT-Hintergrund in Software-Engineering ausbildet. Nach Abschluss des Programms erhielt sie eine Festanstellung und arbeitet heute als Software-Entwicklerin.

Claudias Geschichte verdeutlicht, dass der Quereinstieg mit einer analytischen Denkweise und einer Affinität zur Technologie in der Informatik gelingen kann. Neben Trainee-Programmen gibt es zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten, darunter berufsbegleitende Informatiklehrgänge, Zertifikate oder Umschulungsangebote für Erwachsene. Programme wie Coding Bootcamps oder spezialisierte Crash-Kurse erleichtern den Einstieg für Fachkräfte aus anderen Bereichen.


Berufliche Neuorientierung innerhalb der IT kann aus verschiedenen Bereichen erfolgen: Fachkräfte mit Erfahrung im kaufmännischen Bereich können sich etwa zum Digital Collaboration Specialist weiterbilden, um ihre Kenntnisse gezielt in IT-Projekte einzubringen. Besonders attraktiv sind dabei duale Bildungsmodelle, bei denen Lernen und Arbeiten kombiniert werden.

Auch im Bereich der Cybersecurity oder des IT-Consultings gibt es zunehmend Programme für Quereinsteiger, sofern Personen bereits vertiefte Kenntnisse in Security oder Consulting haben. So können die Unternehmen ihre Teams gezielt mit vielseitigem Fachwissen bereichern. Fachkräfte mit Erfahrungen in anderen Branchen bringen oft wertvolle Perspektiven und können innovative Ansätze in die IT einbringen. Dies zeigt, dass ein späterer Wechsel in die Informatik durchaus möglich und lohnenswert sein kann.

Lebenslanges Lernen als Schlüssel zum Erfolg

Egal ob Berufseinsteiger, Quereinsteiger oder erfahrene Fachkraft – kontinuierliche Weiterbildung ist in der Informatik unerlässlich. Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten, darunter:

Grundausbildung: Informatik-Lehre (EFZ, siehe mehr ab Seite 28), Informatikmittelschule (IMS), Hochschulstudium (Bachelor, Master, PhD)

Weiterbildung für Fachkräfte: Informatik-Zertifikate, eidg. Fachausweise und Diplome, höhere Fachschulen (HF), Master of Advanced Studies (MAS), Executive MBA (EMBA)

Umschulungen und Quereinstiege: Trainee-Programme, IT-Zertifikate, Erwachsenenbildung in der Informatik

Die Wahl der richtigen Weiterbildung hängt von den individuellen Zielen und dem bisherigen Erfahrungsschatz ab. Je nach Aufgabe sind Fachkräfte mit interdisziplinären Kompetenzen oder einem hohen Spezialisierungsgrad gefragt. Die Möglichkeit, sich durch berufsbegleitende Schulungen oder Zertifikate stetig weiterzubilden, hilft Fachkräften, langfristig attraktiv für den Arbeitsmarkt zu bleiben.

Weitere Informationen zu Berufswegen, Ausbildungen und Weiterbildungen in der ICT sind auf den Websites von ICT Berufsbildung Schweiz (ict-berufsbildung.ch) und der Berufsberatung (berufsberatung.ch) zu finden.

Die Geschichten von Georg, Peter und Claudia zeigen: Es gibt nicht den einen richtigen Weg in der ICT – aber viele spannende Möglichkeiten, sich beruflich weiterzuentwickeln. Wer seine Fähigkeiten gezielt ausbaut und neue Chancen ergreift, kann langfristig eine erfolgreiche Karriere in der Informatik gestalten.

Flexible Modelle anstatt starre Laufbahnen

Der ICT-Sektor ist von Dynamik geprägt – neue Technologien und Anwendungsfelder entstehen rasant, wodurch sich auch Karrierewege ständig weiterent­wickeln. Statt starrer Laufbahnen sind flexible und anpassungsfähige Modelle gefragt, die sich an den individuellen Interessen, Fähigkeiten und Rahmenbedingungen orientieren.

Eine erfolgreiche Mitarbeiterentwicklung setzt darauf, Potenziale gezielt zu fördern – oft durch fordernde, aber machbare Aufgaben. Gerade in einem wandelbaren Umfeld wie der ICT-Branche ergeben sich immer wieder Chancen, Neues zu entdecken und Pionierarbeit zu leisten. Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden ermutigen, sich an neuen Herausforderungen zu beweisen, profitieren langfristig von einer motivierten und kompetenten Belegschaft. Um dann mit der schnellen Entwicklung Schritt zu halten, sollte genügend Zeit in Weiterbildung und Innovation investiert werden – sei es durch Schulungen, praxisnahe Projekte oder eigene Initiativen der Mitarbeitenden.

Der Autor

Im Informatikverband Swiss­ICT leitete Paul Brodmann von 2000 bis 2024 die Arbeitsgruppe ICT-Saläre, arbeitet seit 2005 in der Arbeitsgruppe Berufe der ICT und war 2017 Mitgründer der Arbeitsgruppe Honorare. In der Firma CBA ist er seit 1996 als Personalberater, hauptsächlich in der Rekrutierung von ­Informatik-Mitarbeitenden, tätig.


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