Gehaltswünsche und Tech-Hypes
Quelle: Swiss Made Software

Gehaltswünsche und Tech-Hypes

Was Entwickler wollen und denken, ist vielschichtig. Dank fast 1000 Teilnehmenden beim Swiss Developer Survey 2019 können wir jetzt aber interessante Einblicke liefern.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2019/12

     

Das klare Ergebnis des Swiss Developer Survey ist die Leidenschaft der Entwickler und Entwicklerinnen für Technologie – inklusive theologisch anmutender Grabenkämpfe darüber, was man ausmustern oder behalten sollte.

Zum Beispiel werden in der Schweiz 125 verschiedene Entwicklungssprachen genutzt; etwa 25 davon sind klar im Fokus und jeder Entwickler beherrscht im Schnitt sechs verschiedene. Dass hier grosse Leidenschaften im Spiel sind, zeigt sich beim Thema Javascript: Die Sprache ist ganz oben in den Ranglisten sowohl der meist verwendeten als auch der gemochten sowie der nicht gemochten Sprachen. Sie soll demnach eingeführt und gleichzeitig ersetzt werden. Es lohnt sich hier, jeweils die Details anzuschauen.


Interessante Einblicke birgt auch das Kapitel Datenbanken: Klarer Nutzungs-­Frontrunner ist MySQL. Die Liebe hält sich aber in Grenzen – wohl auch wegen des Verkaufs an Oracle und der Verfügbarkeit des Fork MariaDB. Gleichzeitig gibt es grosses Interesse an den NoSQL-­Alternativen. Sollte dieses Interesse zu konkreten Anwendungen führen, wird es schwer für Unternehmen, die mit Lizenzen Geld verdienen. Die Open-Source-­Alternativen stehen eindeutig hoch im Kurs – gerade was zukünftige Nutzungswünsche angeht.

Open-Source-Datenbanken im Kommen

Wenig Begeisterung zeigen auch die Meinungen zu Oracles Kernprodukt. 199 Entwickler und Entwicklerinnen geben an, es zu nutzen. 103 sagen, sie mögen es nicht (71 mögen es). Einführen wollen es nur neun und 61 sagen, man sollte es ersetzen. Neben detaillierten Fragen zu Programmiersprachen, Frameworks, Datenbanken und Plattformen wurden die Entwickler nach ihrer Befindlichkeit befragt. Die meisten Teilnehmenden kommen aus der Schweiz (genauer der Deutschschweiz) und arbeiten für Schweizer Firmen. Nur etwa 8 Prozent kommen aus der Romandie und weitere 2 Prozent leben im Ausland.

Auch wenn nicht alle Schweizer sind, sind über 80 Prozent seit mehr als zehn Jahren hier. 7 Prozent befinden sich sogar zurzeit im Einbürgerungsverfahren. Alterstechnisch sind sie bunt gemischt, doch fast 90 Prozent sind Männer.


Allen Befragten gemeinsam ist die hohe Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit: 87 Prozent sind zufrieden bis sehr zufrieden und 56 Prozent wollen in fünf Jahren das Gleiche tun wie heute oder denselben Job mit mehr Vertiefung ­ausüben.

Bei der Arbeitsplatzwahl sind für fast 80 Prozent die Firmenkultur und die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten ausschlaggebend. Die Hälfte will ausserdem von zu Hause arbeiten können. Bei den Benefits liegt das Gehalt vorne: Für 80 Prozent der Teilnehmenden ist es der zentrale Faktor, mit dem Unternehmen ihre Wertschätzung ausdrücken können, gefolgt von Budgets für Fortbildung (57%) und Computer-/Büroausstattung (46%).

Ethische Fragen sind wichtig

Dabei sind die Entwickler und Entwicklerinnen ein moralisch veranlagtes Grüppchen. 63 Prozent würden ethisch fragwürdige Arbeiten nicht ausführen und fast 80 Prozent sehen sich verpflichtet, über die Konsequenzen der von ihnen entwickelten Technologien nachzudenken.

Zuletzt fragten wir die Entwickler und Entwicklerinnen nach ihrer Einschätzung zu diversen technischen Hype-Themen. Glaubt man dem Marketing, gibt es ja mittlerweile keine IT-Bude mehr, die nichts im Bereich Blockchain und KI macht. Die Entwickler sehen das anders – zumindest teilweise. Während Künstliche Intelligenz in den nächsten fünf Jahren stark an Relevanz zunehmen soll (von 46% heute auf 80% 2024), hält sich die Begeisterung beim Thema Blockchain mehr in Grenzen. Das Schlusslicht unseres Tech-Barometers wird heute nur von knapp 15 Prozent für wichtig oder sehr wichtig gehalten. Diese Einschätzung erhöht sich im Fünfjahresausblick auf etwa 37 Prozent. Sollten die Entwickler mit dieser letzten Einschätzung recht behalten, ist es vielleicht gar nicht so schlimm, wenn der Westen hier die Investitionen den Chinesen überlässt.


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